Die Belle Époque und der Bau des Hotels Union
Die Belle Époque war in vollem Gange, als Toblach ein berühmter Ferien- und Kurort war, in dem die Wiener Elite verkehrte. Unter den illustren Gästen, die Toblach als Feriendomizil wählten, befand sich auch der Komponist Gustav Mahler, der hier zwei Sinfonien und das berühmte "Lied von der Erde" schrieb. Zu jener Zeit war Toblach über die 1871 erbaute Südbahnlinie direkt mit Wien verbunden. Diese Bahnstrecke schloss Österreich an das Etschtal an und durchquerte das Pustertal.
Genau in diesem historisch so bedeutenden Moment großer sozialer und kultureller Umwälzungen, im Jahr 1900, wurde das erste Hotel Union eingeweiht. Wahrscheinlich verfügte der damalige Besitzer über einen direkten Kontakt zur Direktion der Eisenbahnstrecke in Wien, denn er erhielt die keineswegs selbstverständliche Erlaubnis, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof zu bauen. Im gleichen Jahr wurde das Elektrizitätswerk errichtet, das auch das Hotel versorgte und es zu einer modernen und konkurrenzfähigen Einrichtung machte.
Der vom Besitzer gewählte Name Union - ein Unikat in ganz Südtirol - erinnert sowohl an die Kategorie angelsächsischer und amerikanischer Hotels, die oft in der Nähe von Bahnhöfen entstanden, als auch an die gesellschaftliche Funktion des Hotels. Das Hotel Union wurde denn auch bald zum Treffpunkt und Drehkreuz für Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunftsländer. Was sie alle verband, war der Wunsch, die spektakuläre Schönheit der Natur und der Bleichen Berge in völliger Ruhe zu erleben.
Von diesem ersten Gebäude ist heute nicht mehr viel übrig, aber alte Fotografien zeigen uns, dass der Bauherr einen gemischten Baustil gewählt hatte. Hier fanden sich Anspielungen auf den angelsächsischen Raum, auf traditionelle deutsche Bauelemente wie der Erkerturm und Details, die an den Country-Stil erinnern wie das Hotelschild und die Holzbalkons. Blättert man durch die Prospekte aus jener Zeit, sieht man, dass das Hotel Union seit seiner Gründung stets hochwertige Ausstattung und Dienstleistungen bot, Heilbehandlungen, Gesundheitsbäder, einen großzügig angelegten Speisesaal mit großen und kleinen Tischen, ein Café auf der Veranda, einen Musiksalon und einen Konversationssalon, eine Dependance mit einigen Appartements, eine Garage für Automobile und einen eigenen Stall.
Die Hotelgäste kamen sogar in den Genuss von fließendem Wasser, für uns eine Selbstverständlichkeit, aber damals ein seltener Luxus. Das Wasser kam direkt über eine zwei Kilometer lange und noch heute existierende Leitung aus einer privaten Quelle.
Bereits damals war das Hotel ein Familienbetrieb und wurde von der Familie Ranges geführt. Sie kümmerte sich höchstpersönlich um die Pflege der Zimmer und die Unterhaltung der Gäste im Großen Salon.